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:: Tier- und Artenschutz fangen bei Züchtung an

Auf gravierende Missstände in der Tierzucht hat die Allianz für Tiere in der Landwirtschaft aufmerksam gemacht. Die Situation in der Nutztierzucht sei alarmierend: Die Hochleistungszucht etwa bei Rindern, Schweinen und Hühnern führe zu zahlreichen Gesundheitsproblemen und Verhaltensstörungen bei den Tieren.
Die genetische Vielfalt in der Tierzucht gehe dramatisch zurück. Die Allianz für Tiere fordert die Bundesregierung auf, auf dem Verordnungswege dafür Sorge zu tragen, dass das im Tierschutzgesetz festgeschriebene Verbot der Qualzucht auch in der Praxis umgesetzt wird. Die biologische Vielfalt bei landwirtschaftlichen Nutztieren müsse gezielt erhalten und gefördert, das Klonen landwirtschaftlicher Nutztiere hingegen verboten werden. Zudem sollten die Formen der Tierzucht mit staatlichen Fördermitteln unterstützt werden, die eine artgerechte und umweltverträgliche Form der Tierhaltung ermöglichen. „Eine Turbolandwirtschaft auf Kosten der Tiere und der biologischen Vielfalt muss unterbunden werden“, so die Spitzenvertreter der Allianz für Tiere auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am Rande der Berliner Fachtagung.
 
Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft und Politik sowie Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz diskutierten heute in der Berliner Landesvertretung von Rheinland-Pfalz über die aktuellen Probleme und Herausforderungen der Nutztierzucht sowie mögliche Lösungsansätze.
 
Zu Beginn der vom Deutschen Tierschutzbund für die Allianz für Tiere organisierten Fachtagung stand eine deutliche Kritik aus Sicht des Tierschutzes. Die Zuchtziele der derzeitigen Hochleistungszucht überfordern die Tiere, wie Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, an zahlreichen Beispielen aufzeigen konnte: Zuchtziele wie etwa eine Milchleistung bei Kühen von bis zu 40 Litern pro Tag, eine Legeleistung bei Hühnern von nahezu täglich einem Ei oder die extreme Bemuskelung bei Mastschweinen wirkten sich nachweislich negativ auf Gesundheit, Wohlbefinden und die Nutzungsdauer der Tiere aus. Die Hochleistungszucht führe oft zu Leiden, Schmerzen und Schäden wie z.B. Kreislaufversagen, Knochen- und Gelenkserkrankungen und erhöhte Stressanfälligkeit. Qualzucht ziehe außerdem erhöhten Medikamenteneinsatz nach sich. „Dieses Zuchtsystem macht Tier und Mensch krank,“ so Apel.
 
Die Situation in der Tierzucht sei aus Tierschutzsicht „eine Katastrophe“, so der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Unsere Mitgeschöpfe werden zu einer möglichst gewinnbringenden Ware degradiert ohne Rücksicht auf das Wohl und die arteigenen Bedürfnisse der Tiere.“ Die Gesundheit der Tiere müsse vielmehr stets Vorrang vor der Leistung haben, betonte Apel. Das gebiete bereits das Tierschutzgesetz. Und letztlich könne niemand wirklich wollen, dass kranke Tiere gezüchtet werden. Keine Lösung jedoch sei die gängige Praxis, Haltungsbedingungen an die durch die Zucht entstandenen Probleme anzupassen. Dies geschehe z.B. mit der Einzelhaltung von Tieren, um Aggressivität zu verhindern, dem Schnabelkürzen von Hennen, um Federpicken zu vermeiden, oder der ganzjährigen Stallhaltung bei Milchkühen, da der hohe Energiebedarf der hochgezüchteten Tiere nicht mehr durch die Weide allein gedeckt werden kann.
 
Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), forderte von der Bundesregierung, Tierzucht und Tierhaltung einem Klima- und Artenvielfalts-Check zu unterziehen und die Agrar- und Zuchtförderung daran neu auszurichten. Hochleistungsrassen würden überwiegend in künstlich beheizten Ställen gehalten und energieaufwändig hergestelltes Futter bekommen, das oft aus Tropenregionen importiert werde. „Die Treibhausgasbilanz der industrialisierten Zucht und Haltung ist verheerend“, warnte Weiger. Ebenfalls unverantwortlich sei die zunehmende Verengung des Genpools. Heutzutage machten nur noch 15 Tierrassen 90% aller Nutztiere aus. Im Gegenzug sei in den vergangenen sechs Jahren pro Woche eine Nutztierrasse ausgestorben. Alte Haustierrassen seien dagegen robust und eigneten sich besonders für die klimaschonende Haltung auf Wiesen und Weiden. „Die Bundesregierung hat sich in internationalen Verträgen zum Erhalt der biologischen Vielfalt verpflichtet, handelt aber nicht danach. Papiertiger wie Seehofers Biodiversitätsstrategie können wir uns nicht mehr leisten. Wir brauchen Taten und gezielte Zuchtförderung für Vielfalt“, forderte Weiger. Die Allianz monierte in diesem Zusammenhang, dass sich der Staat mit dem neuen Tierzuchtgesetz aus seiner Verantwortung zurückzöge und von Seiten des Bundes Fördergelder für Zuchtprojekte verweigert würden. Im Bereich der Tierzucht sei es dringend notwendig, in die Forschung nach geeigneten Rassen für eine extensive, artgerechte Tierhaltung zu investieren.
 
Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), unterstützt die Forderung des Tierschutzes, qualvolle Hochleistungszucht von Nutztieren zu unterbinden: „Das ist auch ein Verbraucherthema. Die Verbraucher wollen nicht nur schmackhafte und gesunde Lebensmittel, sondern sie wollen diese auch mit einem guten Gefühl verzehren.“ Daher sei die art- und tiergerechte Haltung und Aufzucht beim Kauf von Lebensmitteln für viele Verbraucher eine relevante Frage. Scharf wendet sich Billen in diesem Zusammenhang gegen das Klonen von Nutztieren für die Produktion von Lebensmitteln. „Diese Technik engt nicht nur die biologische Vielfalt zusätzlich ein, sondern führt auch zu unnötigen gesundheitlichen Risiken für Mensch und Tier“, erklärte Billen.
 
Berechtigte Verbraucherinteressen wurden auch von Karl Ludwig Schweisfurth, dem Kuratoriumsvorsitzenden der Schweisfurth-Stiftung und Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, ins Feld geführt. „Turbotiere schmecken nicht“, so lautete das Fazit des Unternehmers und Metzgermeisters. Dem mageren Fleisch hochgezüchteter Tiere seien die besten geschmacklichen Eigenschaften „weggezüchtet“ worden. Rein quantitative Zuwächse bei der Tierzucht gemäß dem züchterischen Leitsatz „Mehr Leistung in immer kürzerer Zeit“ würden mit qualitativen Verlusten erkauft. Die Konzentration auf wenige Rassen und Linien erhöhe zwar den Profit und garantiere niedrige Preise, bedeute jedoch zugleich einen Kulturverlust. „Die Gen-Ressourcen der alten Haustierrassen sind immer auch Geschmacks-Ressourcen, mit denen wir sorgsam umgehen sollten“, so Schweisfurth. „Keine kulinarische Vielfalt ohne biologische Vielfalt – Keine Esskultur ohne Agrarkultur.“
Quelle:
Allianz für die Tiere 2008
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